«inside» Nr. 2 / Dezember 2023

Siedlungen / Geschäftsausflug

Spannender Ausflug in die Grimselwelt

Eine Welt der Berge und Gletscher, Schluchten, Alpweiden und tiefen Täler, und eine Welt des Wassers, der Wasserfälle und Stauseen. Dorthin führte uns der diesjährige GBRZ-Geschäftsausflug.

An einem sonnigen Augustmorgen brach unser GBRZ-Team aus Mitgliedern von Vorstand und Personal frühmorgens per Car auf. Nach einem Znünistop in Sachseln am idyllischen Sarnersee erreichten wir am späteren Vormittag das Grimsel Hospiz. Wenige Kilometer davor hatten wir eine Gruppe von Wanderern gesehen, die mit Maultieren das steile Gelände hinaufliefen.

Jahrhundertelang hatten Säumer Waren über die Alpen nach Oberitalien und zurück transportiert, Salz, Häute und Sbrinz-Käse hin, Wein, Gewürze, Reis oder Stoffe zurück, und hatten auch bei Schnee und Sturm schlecht gangbare, schmale und steile Pfade erklommen. Rund 200 Saumtiere waren jede Woche im Einsatz. Ein Vertrag verpflichtete die Gemeinden zur Sicherung des Weges und u. a. zur Bereitstellung von «Spital», Schutz- und Unterkunftshäusern. Seit rund 20 Jahren gedenkt jährlich eine Wandergruppe des alten Brauchtums und wandert traditionell gekleidet wie die Säumer mit beladenen Pferden, Mulis und Eseln vom Vierwaldstättersee auf dem ehemals wichtigsten und kürzesten Handelsweg über die Alpen, der Sbrinz-Route, nach Domodossola. Die Grimsel-Region, die im Mittelalter eine bedeutende Rolle auf diesem Handelsweg einnahm, wurde Jahrhunderte später wichtiger Schauplatz der Energieerzeugung.

Jahrhundertbauwerk Spitallamm
Der Stausee Grimsel wird gleich von zwei Mauern gestaut. Die grössere der Staumauern, die Spitallamm, wurde zwischen 1925 und 1932 gebaut. Sie misst vom Fundament bis zur Krone 114 Meter. Damit war sie zur Zeit des Baus durch die 1925 gegründete KWO eine der höchsten Talsperren der Welt. Seither forciert die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) die Nutzung des alpinen Wasserschlosses Grimsel zur Stromproduktion. Mit ihren 13 Kraftwerken produziert sie heute rund 2200 Gigawattstunden Strom. Dies entspricht dem Strom, den rund 1 Million Einwohner der Schweiz pro Jahr in ihrem Haushalt benötigen. Die alte Staumauer Spitallamm ist sanierungsbedürftig, weil sie nahe der Krone einen horizontalen Riss hat. Seit 2019 baut die KWO eine neue Staumauer, welche die alte ersetzen wird. Nach Fertigstellung der neuen Staumauer wird die alte einen Durchschlag erhalten und im minim vergrösserten stehen bleiben.

In zwei Gruppen schweben wir nacheinander mit der Hospizbahn über die riesige Baustelle der in die Höhe wachsenden neuen Spitallammstaumauer hinunter in den Untergrund. Nach wenigen Metern gelangen wir ins Kraftwerk Grimsel 1 und von dort mit dem Stollenbus zum Pumpspeicherwerk Grimsel 2. Wir befinden uns 500 Meter unter dem Oberaarsee und 100 Meter unter dem Grimselsee tief im Grimselgranit. Die Vorstellung, dass über einem beinahe 100 Millionen Kubikmeter Wasser liegen, lässt einen ehrfürchtig werden. Es sind die gleichen Wassermassen, die im Pumpspeicherwerk die Turbinen zu Höchstleistungen antreiben.

Kraftleistung von mehreren Generationen
Durch die kurzweilige und informative Führung erleben wir 100 Jahre Pioniergeist für die Nutzung der Wasserkraft und erhalten Einblick in ein hochkomplexes Gebilde der Wasserkraftwerkanlagen der KWO, seinerzeit erstellt unter grössten Strapazen und Entbehrungen, ohne grosse mechanische und elektronische Geräte, später leidenschaftlich weiterentwickelt und weitergebaut von mehreren Generationen. Wir staunen über mächtige Maschinengruppen, weitverzweigte Anlagen, Druck- und Pumpleitungen, Stollen für den Energietransport und die Zufahrt, erfahren von wasserführenden Stollen, Druckschächten, Spitzen- und Regulierenergie. Die riesigen vier Maschinen der Grimsel 2 können als Generatoren oder Pumpen betrieben werden. Wird Spitzenenergie benötigt, gehen eine oder mehrere Maschinen ans Netz. Bei geringem Strombedarf pumpen die Maschinen das Wasser in den rund 500 Meter höher gelegenen Oberaarstausee zur Nutzung für die Spitzenenergieproduktion. Höhenunterschiede geben dem Wasser Kraft. 20 Tonnen Wasser pro Sekunde drückt eine Pumpe im Grimsel 2 bei Volllast vom Grimselsee in den höhergelegenen See, um so Energie einspeichern zu können. Die Führung bietet uns mit der Besichtigung der Kristallkluft Gerstenegg einen weiteren Höhepunkt. Diese war 1974 bei Sprengarbeiten für den Stollenbau entdeckt worden. Die durchsichtigen Bergkristalle, die rosaroten Rosafluoride und weitere funkelnde Mineralstoffe entstanden vor rund 16 Millionen Jahren!

Prächtiges Naturschauspiel
Nach einem feinen Zmittag am Fusse des Grimselpasses bietet uns eine Überquerung auf der luftigen Hängebrücke Handeckfall in 70 Metern Höhe Nervenkitzel. Atemberaubend geht es weiter zum Gelmersee. Mit dem Rücken zur Felswand sitzend, im offenen Wagen, blicken wir beinahe senkrecht hinab in die Tiefe, während die Bahn entlang der steilen Felswand zum türkisfarbenen Bergsee hochfährt. Pures Adrenalin vermittelt uns ebenso die Rückfahrt zurück in die Talstation.

Vor der Rückreise nach Hause besuchen wir noch die Aareschlucht. In Zehntausenden von Jahren hat die Aare durch die Kalkfelsen einen Lauf erodiert und so die Aareschlucht geschaffen, ein 1400 Meter langes und 200 Meter tiefes Naturwunder. Auf Holzstegen schreiten wir den senkrechten Felswänden entlang – unter uns das Rauschen und Gurgeln des Wassers. Eisige Gletscherwasser pressen sich unermüdlich durch die schmale Schlucht, die gewaltigen Felswände sind eindrücklich, die Kraft der Natur offenkundig.

Die Grimselwelt hat uns einen unvergesslichen Ausflug geschenkt – mit vielen Informationen und positiven Eindrücken fahren wir zufrieden und müde nach Hause.