«inside» Nr. 2 / Dezember 2021

Siedlungen / Nebenkosten

Nebenkosten steigen

Weltweit erleben wir einen beispiellosen Anstieg der Preise für Öl, Kohle und Gas. Das macht Warmwasser, Heizung und Sprit teuer. Den Verbrauchern stehen Mehrkosten bevor. Anders als beim Strom – der Preis dafür ist für die Haushalte lange im Voraus festgelegt – bekommen die Gaskonsumenten den Anstieg deutlicher und früher zu spüren.

Insbesondere Erdgas sorgt in Europa für rote Köpfe: Sein Grosshandelspreis ist zwischen Januar und Oktober um rund 440 % gestiegen. Dieser Preisanstieg treibt auch die Strompreise nach oben, denn Gas wird oft zur Stromerzeugung genutzt.

Der Grund für den Preisanstieg: Angebot und Nachfrage auf dem Gasmarkt sind in starkem Ungleichgewicht. Die Gasspeicher sind weniger voll als sonst, weil der Energieverbrauch im letzten kalten Winter deutlich höher war als üblich. Mit dem Erholungstrend der Pandemie zieht die Industrieproduktion wieder an, was die Energienachfrage zusätzlich befeuert. Hinzu kommen globale Entwicklungen. Einerseits drosselt Russland seine Gaslieferungen. Andererseits treibt der sehr grosse Energiehunger aus Asien den Preis an. Die Gründe für die roten Köpfe hierzulande sind noch nichts im Vergleich zu den Nöten, die in China herrschen. Als «Werkstätte» der Welt durchläuft das Land derzeit eine schwere Energiekrise. Dort stehen wegen Strommangels tage- oder wochenlang ganze Fabriken still. Immer wieder sitzen Leute im Dunkeln, bleiben im Lift stecken oder ausgeschaltete Verkehrsampeln verursachen Chaos auf den Strassen.

Die Lage ist ernst

Globale Lieferketten sind so komplex geworden, dass lokale Störungen unerwartet dramatische Wirkungen andernorts verursachen können. Die Unruhe auf den Rohstoffmärkten grassiert. Der Stahlpreis steigt, da viele Fabriken aufgrund der Energieknappheit ihre Produktion drosseln. Medien berichten beispielsweise von akuten Lieferengpässen bei Microchips. Ohne sie geht heutzutage fast nichts mehr. Die komplizierte Produktion der Halbleiter braucht Zeit. Und Halbleiter – auch wenn man es kaum glauben mag – haben ein Verfallsdatum und lassen sich aus Qualitätsüberlegungen irgendwann nicht weiterverwenden. Deshalb sind die Produktionsauflagen schlank gehalten. Wegen Problemen in der Stromversorgung gerade durch steigende Strompreise fuhren viele Schmelzfirmen für Silizium ihre Produktion runter. Dies setzte eine unheilvolle Spirale in Gang, die andernorts zu stillgelegten Fliessbändern und Produktionshallen führte. Die weltweite Abhängigkeit von Lieferketten zeigt sich deutlich.

Die Nachfrage nach Energie wird gerade im Winter weiter steigen. Das Risiko einer Strommangellage wird in der Schweiz aktuell als gross eingeschätzt – die Politik ist alarmiert. Es geht die Angst um, dass es hierzulande durch begrenzte Importmöglichkeiten, durch klimatische Bedingungen mit wenig Niederschlag und geringen Wassermengen in den Stauseen zu einer Strommangellage kommen könnte, was angeordnete Massnahmen durch den Bundesrat nach sich zöge. Noch bleibt dieses Szenario ungewiss.

Nächstjährige Nebenkosten werden höher ausfallen

Die Heiz- und Warmwasserkosten werden mit den Nebenkosten abgerechnet. Unsere Genossenschafter erhalten jeweils im Herbst rückwirkend die Rechnungsstellung für die effektiven Kosten, d.h. für den Differenzbetrag zu ihren monatlichen Akontozahlungen. Für die allermeisten unserer Siedlungen umfasst dies die Abrechnungsperiode vom letztjährigen Juli bis Ende Juni. Schon in dieser Zeitspanne ist der Preisanstieg bereits feststellbar. Dabei konnte ein Teil unseres Gases durch langfristige Verträge noch zu günstigeren Konditionen beschafft werden, sodass sich die höheren Marktpreise nur zum Teil auf die Nebenkosten auswirkten. Die nächstjährigen Nebenkosten werden aber zeitversetzt noch viel deutlicher in die Höhe schiessen, wobei der Anstieg je nach Heizsystem variiert. Was man jetzt tun kann? Weniger verbrauchen, lohnt sich immer, sei es für das Portemonnaie oder die Umwelt. Etwas Geld beiseitelegen für die kommenden Nebenkostenabrechnungen ist ebenfalls sinnvoll. Zudem ist auch richtiges Lüften wichtig, um Energie zu sparen.

Richtiges Lüften

Oft wird der Fehler gemacht, die Fenster über längere Zeit gekippt zu lassen und die Heizung voll aufzudrehen. Speziell in den Wintermonaten hat Kipplüften nur nachteilige Folgen. Es verursacht deutlich höhere Heizkosten und fördert Schimmelbildung. Die Raumflächen rund um das Fenster sowie der Boden kühlen stark aus.

Richtig ist das Stosslüften. Dabei sind drei- bis viermal täglich während rund fünf Minuten die Fenster vollständig zu öffnen. Besonders wirksam ist die kurze Querlüftung (Durchzug). So wird in kurzer Zeit viel Feuchtigkeit abgeführt, das Auskühlen der Wand- und Deckenoberflächen verhindert und eine Menge Heizenergie gespart. Auch bei Regen und Nebel ist die Aussenluft weniger feucht als die Luft innerhalb der Wohnung. Man führt also in jedem Fall Feuchtigkeit aus der Wohnung ab.