«inside» Nr. 2 / Dezember 2022

Siedlungen / Energie

Leben im Wohncontainer

Wie angekündigt gestaltete sich die Umbauzeit schwierig. Ein geordnetes und ruhiges Wohnen war erschwert. Die einzelnen Wohnungen waren in den ersten zwei Wochen der Sanierungsphase während mehrerer Tage gänzlich nicht zugänglich, Küche und Bad jeweils sechs Wochen nicht nutzbar. In diesen sechs Wochen konnten die Bewohner auf Wohncontainer ausweichen. Diese Container sind mit WC/Dusche und einer Kleinküche mit Herdplatten und Kühlschrank ausgestattet. Viele Bewohner nahmen dieses Angebot gerne an, während andere zu Familienangehörigen zogen oder Ferien buchten.

Wir besuchten Familie Lestrani im Wohncontainer und wollten erfahren, wie sie den Wohnalltag dort erlebte.
«Es war wirklich eine schwierige Zeit. Ich arbeite bei der Post im Schichtbetrieb, unser Sohn Liburu geht in die vierte Klasse und mein Mann absolviert neben seiner Arbeit beim Kanton eine nebenberufliche Weiterbildung. Das Wohnen für drei Personen auf so engem Raum war sehr stressig. Es gab keinen Rückzugsort. Ich war besonders angeschlagen, weil ich tagsüber schlafen musste, während andere rumhantierten, sich unterhielten, fernsahen, diskutierten. Die Container kann man sich wie einzelne schlecht isolierte Räume eines grossen, zweistöckigen Hauses vorstellen. Weil das Leben im Container für alle eine Ausnahmesituation war und jeder dadurch gefordert und gestresst war, lagen einerseits die Nerven bei allen schneller blank und andererseits wurde weniger Rücksicht auf die Nachbarn genommen. Entspannung stellte sich ein, als wir mit Herrn Helbling sprachen und er uns einen zweiten Container zuteilte. Herr Helbling hatte immer ein offenes Ohr für uns Bewohner und hat uns stets sehr unterstützt. So konnte sich unsere Familie räumlich aufteilen für das Schlafen, das Kochen oder das Lernen. Liburu gefiel der Container am ersten Tag sehr gut – es war ein aufregendes Abenteuer. Aber schon am nächsten Tag vermisste er sein Zimmer, unser Sofa, einfach alles. Im Container haben wir als Familie mit dem Kinoabend ein neues Ritual eingeführt. Wir löschten am Wochenende abends jeweils das Licht und schauten gemeinsam einen Film. In zwei Wochen können wir zurück in unsere Wohnung. Wir alle sehnen uns nach unserem Zuhause und sind voller Vorfreude! Die Küche und das Bad sind sehr schön geworden – ich konnte dies schon bei Nachbarn anschauen.»