«inside» Nr. 1 / Mai 2022

Siedlungen / Solidarität

Enorme Solidarität in der Röntgenhof

Am Mittwochabend, 9. März 2022, verschickte die Geschäftsstelle folgendes Mail an die SiKos: «Liebe SiKo-Freunde, lasst uns gemeinsam ukrainischen Geflüchteten helfen. Infolge des bevorstehenden Ersatzneubaus haben wir in unserer Rümlanger Siedlung vier leer stehende Wohnungen, die wir ukrainischen Flüchtlingen unentgeltlich als Unterschlupf bis Ende September zur Verfügung stellen können. Die Wohnungen müssten provisorisch möbliert/eingerichtet werden. Seid Ihr als SiKo daran interessiert, die Einrichtung/ Möblierung der Wohnungen zu organisieren und zu unterstützen? Könnt/Wollt Ihr dies zusammen mit Helfern aus Eurer Siedlung koordinieren?»

In mehreren SiKos formierten sich rasch Helfer, die siedlungsintern einen Sachspendenaufruf nach Möbeln/Gegenständen in gebrauchstauglichem Zustand starteten und die Sichtung und Entgegennahme des Materials organisierten.

Parallel dazu gingen bereits bis zum darauffolgenden Wochenstart Anfragen von Geflüchteten für die vier Wohnungen ein. Ein Genossenschafter hatte seine ukrainische Frau Irina, die aus der Stadt Sumy stammt, sowie seine Tochter aus dem Kriegsgebiet zurück nach Zürich geholt. Irina initiierte zusammen mit ihrem Mann die Wohnungsvergaben an Flüchtende aus ihrer Heimatstadt. Die beiden engagierten sich zusammen mit weiteren Bekannten, indem sie Anreisen koordinierten, Brücken zur Geschäftsstelle schlugen, Geflüchtete bis zur Bereitstellung der Rümlanger Wohnungen bei sich zu Hause aufnahmen, dolmetschten, Amtliches begleiteten etc. Derweil klingelten die Telefone auf der Geschäftsstelle Sturm – beispiellos war die Solidaritäts- und Hilfswelle innerhalb unserer Gemeinschaft. Von unseren Mitgliedern wurden in ihren Siedlungen im Eiltempo Möbel, Einrichtungsgegenstände und Haushaltsartikel gespendet und gesammelt.

Die Helfer organisierten, koordinierten und improvisierten wie Weltmeister. Sie fanden sich in WhatsApp-Gruppen zusammen, lernten sich kennen, ordneten sich ein, boten andere auf und tauschten sich aus. Die Hilfsaktion schwappte sogar in die umliegenden Quartiersiedlungen und zu Personen aus dem entfernten Bekanntenkreis über. So halfen auch Bewohner der Nachbargenossenschaften ABZ und Sunnige Hof mit. Anerkennend sagte ein Helfer: «Unsere Genossenschaft möchte ebenfalls ein Hilfsprojekt lancieren. Dabei sind wir erst am Anfang, während bei Euch die Flüchtlinge schon übermorgen einziehen können.» Die Empathie und das Engagement waren gross.

Ein Vater brachte zwei Taschen voller neuer Kinderkleider. «Ich habe gehört, dass hier ein Junge einzieht, der so alt ist wie unser Sohn. Meiner Frau und mir ist es deshalb enorm wichtig, dass die Kleider gut ankommen.» Ein SiKo-Mitglied ging in ihre Quartierapotheke und fragte nach Spenden von fiebersenkenden Medikamenten, Nagelscheren, Pflastern, Thermometern etc. und bekam diese geschenkt. Ansturm und Rücklauf überforderten fast schon – dankend mussten viele Spenden zurückgewiesen werden, weil sonst schlicht zu viel Material zusammengekommen wäre.

Möbeltransporte wurden ebenfalls organisiert. Der erste wurde bereits am 15. März 2022 vorgenommen, am 19. März folgten weitere. Eine bunt zusammengewürfelte, engagierte Hilfscrew kam an diesem Tag zusammen. Material wurde in die Wohnungen gehievt, Möbel und Lampen wurden montiert, Betten bezogen, Schränke befüllt, Esswaren, Toiletten- und Reinigungsartikel sowie noch fehlende Gebrauchsgegenstände gekauft und verstaut. Andere machten auf ihrem Weg in die Ferien einen Zwischenhalt in Rümlang und brachten neu erstandene Ware aus der IKEA vorbei.

Die Freude und die Dankbarkeit waren bei den Wohnungsbezügen ein paar Tage später enorm gross. Unsere gesamte Röntgenhof-Gemeinschaft teilt diese Freude, heisst die neuen Nachbarn in ihrer Mitte herzlich willkommen und wünscht ihnen allen ein gutes Einleben. Mögen die Kriegswirren bald ein Ende finden!